Montag, 15. Oktober 2007

Hologram
New York Special












Gestern habe ich es endlich geschafft, den Cake Shop aufzusuchen, eine Mischung aus Plattenladen, Kneipe und Konzertlocation, der mir durch die enge Verbindung von Bands, die ich in den nächsten Tagen noch vorstellen werde, einen Besuch nicht nur wert war, sondern notwendig machte. Ich besuchte zwar kein Konzert, trank auch kein Bier, aber ich stöberte mich fröhlich durch die Auswahl an Second Hand und NeuVinylauswahl, als meine Aufmerksamkeit auf die im Laden gespielte Musik gezogen wurde. Auf Nachfrage wurde mir bereitwillig mitgeteilt, dass gerade eine lokale Brooklyner Band, Hologram, zu hören sei, die zwar noch nichts veröffentlicht habe, deren erste Singleauskopplung jedoch nächsten Monat von eben jenem Cake Shop vertrieben wird.

Was mich begeisterte, bewies eine deutlich klangliche Nähe zur frühen Cat Power, weckte jedoch auch (gute) Erinnerungen an Bands wie Honey Is Cool, The Duke Spirit, ein wenig Mazzy Star und den leider sehr unbekannten, mir aber durch das klienicum nähergebrachten The Good Grief. So viel zum Namedropping. Sängerin Caroline Potter besitzt genau diese von mir geschätzte Art der Lässigkeit, die fern vom Ätherischen ist und sitzt zudem - das finde ich wirklich ungewöhnlich - zeitgleich am Schlagwerk. Einen Bass scheint es nicht zu geben, dafür gleich zwei Gitarren, bedient von Caleb Lindskoog und Ryan Trott.

Diverse Hörproben und Lademöglichkeiten gibt es hier und hier.


Hologram - Blazey Storm

Hologram - Scorcher

Samstag, 13. Oktober 2007

Effi Briest
New York Special






Einige Tage ruhte dieser Blog, denn ich habe mich für zwei Wochen aufgemacht vom beschaulichen Europa nach New York. Und hier sitze ich nun, noch immer etwas Jetlag- geplagt, denn obwohl meine Uhr schon Nachmittag zeigt, ist es hier doch erst Morgendämmerung.
Und nun, da ich schon einmal hier bin, möchte ich doch auch die Gelegenheit ergreifen, in den nächsten Tagen Bands und Künstler vorzustellen, die ihren Ursprung in New York haben, für die meisten gilt sogar genauer: in Brooklyn. Ein Stadtteil, den ich noch nicht gesehen habe, den ich mir aber mittlerweile aufgrund der Dichte junger, spannender musikalischer Acts als DEN musikalischen Schmelztiegel der Stadt vorstelle.

Den Anfang machen also Effi Briest, die ich kürzlich, noch in Berlin, bei meinem Stammplattenhändler entdeckt habe. Effi Briest ist eine sieben Frau starke Combo, wie erwähnt aus Brooklyn, die, zum Teil mit dem üblichen Rockinstrumentarium bewaffnet, dieses aber um allerlei Klingklang, Akkordeon und Okarina erweiternd, einen spannenden Mix-Up verschiedener, nicht genau zu definierender Genres schafft. Mögliche Koordinaten sind Punk, Krautrock, Afrikanische Musik, Rock, Wave... Bisher erhältlich ist lediglich eine 7" auf dem britischen Loog Records Label, deren beide Seiten auf Effi Briests Myspace-Auftritt zu hören sind. Ich verliere mich gerne in diesem schillernd rauschhaften Getöse und werde, so alles klappt, in einer Woche noch in dieser Stadt einen Auftritt der Band sehen.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Ali Whitton










Jetzt, wo die Blätter sich langsam verfärben, Kälte durch die Straßen kriecht und die Vögel vertreibt, beginnt wieder die Zeit, in der ich Platten aus den hinteren Bereichen ziehe, die eine solch gepflegte Melancholie verbreiten, dass ich mich daran wie an einer Tasse Tee wärmen kann. Ali Whitton ist da so ein Fall, der zu dieser goldenen Jahreszeit am meisten genossen werden kann. Eine EP des 21 Jahre jungen Songwriters aus Leeds, UK, "Empty Threats And Recurring Themes", bestehend aus vier Liedern, die er mit den Broke Record Players aufgenommen hat, gibt es bisher zu beziehen, sowie die "Resigned To Blue"-EP, die im Moment jedoch nicht mehr erhältlich ist. Ein Album scheint ebenfalls bereits im Kasten und wird auf der Homepage zum Stream bereitgestellt, auch wenn ein Veröffentlichungstermin noch nicht bekannt ist.
Hier wimmert die Violine, die Akustische wird beherzt angeschlagen und das Herz geht auf. Ali Whitton ist schonungslos ehrlich, das darf nicht mit Exaltiertheit verwechselt werden. "And you say I'm too young to know what I mean - well, you're wrong, you're wrong, you're wrong, you're wrong about me". Die Jugend als Schlachtfeld eines schmerzhaften Reifeprozesses, gegossen in betörende Lieder.
Die bereit gestellten Lieder zeigen Ali Whitton ohne seine Band in Demoaufnahmen, weniger elegisch.



Ali Whitton - A Failed Attempt At Something Worth Saying

Ali Whitton - Misery Needs Company

Freitag, 5. Oktober 2007

Nalle








Selten passte das Ettikett "Weird Folk" so gut, wie auf Nalle. Und wo normalerweise die Betonung auf "Folk" liegt, verhält es sich hier genau umgekehrt. "Weird" war zumindest das erste, was ich dachte. "Wunderschön" das zweite. Und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Band so gekonnt wie experimentierfreudig.

Nalle kommen aus Glasgow, haben sich dort 2004 gegründet und zwei Jahre später ihr Debütalbum "By Chance Upon Wakening" auf Pickled Egg Records veröffentlicht. Sie sind nur drei, Hanna Tuulikki, Aby Vuliamy und Chris Hladowski, machen aber Lärm wie ein ganzer Kindergeburtstag im KlingKlangLand. Dabei klingen nicht nur die Instrumente ungewöhnlich - unter anderem Bouzouki und Kantele - sondern vor allem die Stimme von Hanna Tuulikki präsentiert sich facettenreich. Mal zwitschert sie wie ein Frühlingsvogel, dann wieder meckert sie wie eine Ziege oder stürmt wie die See.

"Joanna Newsom, die über Koto-Musik singt", war auch einer meiner ersten Eindrücke. Sehr passend finde ich, was die Band laut cargo-records über sich selber sagt, darum sei es hier zitiert:
"'By Chance Upon Wakin' ist das Debüt der Band, die sich selbst wie das Spielzeug eines Kindes sieht: Ein Bindeglied zwischen der realen und der magischen, verborgenen Welt. Eindringliche Songs mit sprudelnden Melodien."
Dem ist nichts hinzuzufügen, als drei wärmstens empfohlene Hörbeispiele.

Nalle - Sunne Song

Nalle - Iron's Oath

Nalle - Birth Of The Bear (ursa minor)


Einen Stream vom Auftritt des Trios beim Amsterdamer Dwars-Festival gibt es hier.

Oder lieber Paris?


Donnerstag, 4. Oktober 2007

Adrian Orange And Her Band









Manchmal stelle ich Fragen an das Leben, die das Leben mir nie wird beantworten
können. Vor einigen Tagen zum Beispiel diese:
Wie ist es möglich, dass ein 21-jähriger junger Mann in diesem doch noch zarten Alter bereits auf 10 veröffentlichte Alben zurückblicken kann? Und vor allem: nun, mit seiner neuesten, selbstbetitelten Platte ein Werk hinlegt, das sich nicht nur raffiniert durch die versc
hiedensten Genres schummelt, sondern damit auch ein fast sicherer Anwärter auf meine Endjahres-TopTen-Liste ist?

Einiges an Adrian Orange erinnert an den vielgestalten Schrat Will Oldham. Nein, das Ausse
hen ist es nicht, die Stimme schon eher. Auch das Musizieren unter den verschiedensten Pseudonymen haben beide gemein. Adrian Orange firmierte schon als selbiger ohne seine Band auf der mir leider noch unbekannten "Bitches Is Lord", zuvor veröffentlichte er unter dem Namen Thanksgiving, zumeist auf Vinyl, teilweise leider schon out of print, einiges ist jedoch noch hier oder hier zu erstehen.
Es gibt also einiges nachzuholen, und ich werde sicherlich noch einmal über ihn berichten.

Das neue, selbstbetitelte Album jedenfalls ist eine so seltsam passende, wie eigenständige Mischung.
Grundlage scheint mir schon ein gewisses Americana-Slackertum, wie es Oldham ja auch verkörpert, meist präsent in den Gesangsmelodien, in der Stimme. Doch die Band, die Adrian Orange begleitet, scheint ganz anderes vorzuhaben. Sie rührt einen Cocktail aus Jazz, Swing, Reggea, Soul und was weiss ich noch alles. Seltsam, was für eine homogene Mischung das im Gesamteindruck und selbst den einzelnen Liedern ergibt, und selbst die überaus präsenten flotten Bläserparts und ein öfter wiederkehrender euphorisch jubilierender Chor passen hier bestens ins Bild.
Wem es zusagt, der hat für die nächsten Monate eine ergiebige Art gefunden, sein Taschengeld auszugeben.







Adrian Orange And Her Band - Give To Love What's Love's

Adrian Orange And Her Band - You're My Home




Mittwoch, 3. Oktober 2007

Scout Niblett





Scout Niblett ist schon eine seltsame Gestalt: meist in viel zu großen Stiefeln und Signalweste anzutreffen, für Promotionfotos ihrer ersten beiden Alben und das Cover zu "I Am" verbarg sie sich zudem noch unter einer blonden Kurzhaarperücke und steckte sich einen Brotkanten unter die Oberlippe, was ihr nun vollends einen etwas debilen Ausdruck verlieh.
Aber mit was für einer extravaganten Stimme ist diese kleine Frau gesegnet! Als ich ihren ersten Beitrag in dieser großen Musiklandschaft hörte - Jason Molina hat ihr für einen Track auf seiner "Magnolia Electric Co." netterweise den Leadgesang überlassen - da war es nicht nur um mich geschehen, ich kippte förmlich aus den Socken.

Zum Glück hat Scout (eigentlich Emma Louise) Niblett das Musikmachen zu ihrem Beruf gemacht, 3 Cds und eine EP stehen bisher zu Buche, sowie einige exklusive Singles mit ausschließlich Non-Album-Tracks.
Auch für das am 18. Oktober auf toopure erscheinende Album "This Fool Can Die Now" hat sie sich ein Stück weiterentwickelt, diesmal eine fast richtige Band um sich geschart und mit Bonnie 'Prince' Billy sogar erstmals einen hörenswerten und kongenialen Duettpartner geladen.


Das von beiden gesungene "Kiss" ist dann auch einer der ganz großen Höhepunkte der Platte, und auch das Video ist von rätselhafter Schönheit. "I Am A Prince" bestritt die Rückseite der "Kidnapped By Neptune" 7".
Im Dezember wird Scout Niblett einige Konzerte in Deutschland spielen.
Wer sie einmal live gesehen hat, wird ihre Platten nur noch sehr, sehr laut hören wollen!




Scout Niblett - Kiss

Scout Niblett - I Am A Prince

Songs:Ohia - Peoria Lunchbox Blues



Hier noch der Hinweis auf Scout Nibletts Myspace-Seite und ihre Homepage.
"This Fool Can Die Now" wird ebenfalls als Vinyl erscheinen!

Dienstag, 2. Oktober 2007

Stanley Brinks









Mittlerweile ist es recht schwer geworden, an neue Musik von André Herman Düne, nun musizierend unter dem Pseudonym (der neuen Identität?) Stanley Brinks heranzukommen. Nach seinem Ausstieg aus der eigentlich angestammten Hauptband Herman Düne, mit der sein Bruder David-Ivar noch weiter tourt, sind die selbstveröffentlichten Alben nur noch via Email (radicalbaboon(@)hotmail.com), der ehemaligen Bandhomepage, oder bei einem Konzertbesuch zu erhalten.

Das ist insofern schade, weil die Lieder, die André mit seiner unvergleichlich windschiefen Stimme singt, nach wie vor famos sind und eine breitere Hörerschaft verdient hätten.

"In The Garden" jedenfalls war mein Sommerhit dieses Jahres, aber in allen drei Liedern croont er gewohnt geschmackssicher und brüchig, wenn auch diesmal qua Eigenproduktion über etwas kälterem Instrumentarium.




Stanley Brinks - In The Garden

Stanley Brinks - Ghosts Like Me

Stanley Brinks - When All Is Said And Done


Andrés Myspace-Seite befindet sich hier, die von Herman Düne hier